Die Hügel von Krakau


Wenn man Krakau besucht, sieht man sicher den Kościuszko‑Hügel, der vom Wawel aus gut sichtbar ist. Vielleicht hat man schon gehört, dass es vier solcher Hügel gibt, die große Helden ehren. Doch nur wenige wissen, dass es ursprünglich sogar neun gab, von denen vier nicht mehr existieren. Welche das waren, erfährt man in diesem kurzen Text.


Krakus‑Hügel in Krakau


Der Krakus‑Hügel im Stadtteil Podgórze erinnert an den legendären Stadtgründer und Vater von Wanda. Er ist einer von zwei Hügeln – neben dem Wanda‑Hügel – die mindestens frühmittelalterlich, vielleicht sogar noch älter sind. Bei archäologischen Untersuchungen fand man Spuren der Lausitzer Kultur, was auf mehrere Jahrhunderte vor Beginn unserer Zeitrechnung hindeuten würde. Wahrscheinlich handelt es sich jedoch um später eingetragene Funde; eine awarische Fibel aus dem 7. Jahrhundert an der Basis spricht eher für diese Entstehungszeit. Es gibt auch Spuren der Przeworsk‑Kultur, die mit den Kelten verbunden wird. Wie auch immer: Der Hügel ist sehr alt. Und für alle, die sich weniger für Archäologie interessieren, sei gesagt, dass man von hier aus – meiner Meinung nach – den schönsten Blick auf die Königsstadt hat, besonders bei Sonnenuntergang, wenn sich an schönen Tagen Hunderte von Menschen versammeln, um Natur und Architektur zu bewundern.


Wanda‑Hügel in Krakau


Der Wanda‑Hügel, auf dem die legendäre Tochter von Krak begraben sein soll, liegt in Nowa Huta in der Nähe des Kombinats. Der Legende nach stürzte sie sich in die Weichsel, die ihren Körper an den Ort trug, an dem sie später bestattet wurde. Das nahegelegene Dorf erhielt davon den Namen Mogiła („Grab“), heute ein Teil von Nowa Huta. Auch dieser Hügel stammt aus dem Frühmittelalter, seine Herkunft ist jedoch unklar. Im Gegensatz zum Krakus‑Hügel wurde er nie archäologisch geöffnet, weshalb es weniger Theorien gibt. Sicher ist, dass er noch aus vorpiastischer Zeit stammt. Auf seiner Spitze steht ein Denkmal nach einem Entwurf von Jan Matejko. Der Blick ist vielleicht nicht ganz so beeindruckend wie vom Krakus‑Hügel, aber man sieht dennoch einen großen Teil der Stadt. Interessant ist die Ausrichtung beider Hügel in Bezug auf Sonnenauf‑ und ‑untergang: Vom Krakus‑Hügel sieht man die Sonne am 1. Mai und 10. August genau über dem Wanda‑Hügel aufgehen; vom Wanda‑Hügel sieht man am 4. November und 6. Februar den Sonnenuntergang genau über dem Krakus‑Hügel. Vielleicht dienten diese uralten Hügel also als eine Art Kalender.


Kościuszko‑Hügel in Krakau


Der Kościuszko‑Hügel wurde im 19. Jahrhundert errichtet, um einen großen Helden Polens und der Vereinigten Staaten zu ehren. Seine sterblichen Überreste wurden aus der Schweiz überführt, wo er im Exil starb, und im Krakauer Dom beigesetzt. Rund um den Hügel befindet sich eine Festungsanlage aus der Zeit der österreichisch‑ungarischen Herrschaft. Er liegt im schönen Villenviertel Salwator auf dem Sikornik‑Hügel. Es ist der einzige Hügel, für dessen Besuch Eintritt verlangt wird. Der Blick von dem Café am Fuß des Hügels ist fast so schön wie der vom Gipfel.


Piłsudski‑Hügel in Krakau


Dieser Hügel wurde in der Zwischenkriegszeit errichtet und zunächst „Hügel der Unabhängigkeit“ genannt. Nach dem Tod von Marschall Józef Piłsudski erhielt er seinen heutigen Namen. Er liegt etwa 2 km hinter dem Kościuszko‑Hügel auf dem Sowiniec‑Hügel, in der Nähe des Krakauer Zoos im Wolski‑Wald. Auch die nahegelegene Villa Decjusz lohnt einen Besuch bei einem schönen Spaziergang. Es ist der größte Hügel Polens. In ihm wurden Erde und Überreste von Schlachtfeldern des Ersten Weltkriegs beigesetzt, auf denen Polen kämpften. Während der Besatzungszeit sollte er entfernt werden, später wurde er von den Kommunisten teilweise beschädigt, doch nach den politischen Veränderungen erhielt er seinen früheren Glanz zurück.


Weitere Hügel in Krakau

Der Esterka‑Hügel in Łobzów wurde der Legende nach im 20. Jahrhundert versehentlich von Arbeitern eingeebnet, die dort ein Stadion bauten. In Łuczanowice in Nowa Huta befindet sich der sogenannte Luther‑Hügel auf dem Friedhof. Außerdem gibt es – natürlich – den Johannes‑Paul‑II.‑Hügel in Dębniki aus den 1990er‑Jahren. Nicht mehr existieren der Hügel der Krakauer Republik auf den Planty sowie der Wawel‑Hügel, der bereits im Mittelalter entfernt wurde.

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