Błonia — Die große Wiese im Herzen von Krakau

Ein einzigartiger Grünraum voller Geschichte, Ereignisse und Alltagsleben

Einige Städte besitzen große Grünflächen fast mitten im Zentrum. New York hat seinen Central Park, München die Theresienwiese, auf der jedes Jahr das Oktoberfest stattfindet (ironischerweise immer im September). Und obwohl der New Yorker Park—wie alles dort—viel größer ist, übertreffen die Krakauer Błonia die Münchner Wiese um mehrere Hektar. Doch wie konnte diese riesige Fläche Jahrhunderte überdauern, ohne überbaut zu werden?

Vom mittelalterlichen Weideland zum Symbol Krakaus

Die Geschichte der Błonia reicht bis ins 12. Jahrhundert zurück, in die Zeit der Kreuzzüge. Jaksa Gryfita—eine faszinierende, rätselhafte Gestalt—wollte sich vor seinem Aufbruch ins Heilige Land den Segen des Höchsten sichern. Er schenkte den Norbertinerinnen eine große Weide zwischen Zwierzyniec und Łobzów. Diese fromme Geste wurde zum Ursprung einer der bemerkenswertesten Landschaften Krakaus.

Zwei Jahrhunderte später tauschten die Schwestern das Land mit der Stadt gegen ein Haus in der Floriańska‑Straße. Das Gebäude brannte kurz darauf ab, und ohne Feuerversicherung versuchten die Schwestern jahrzehntelang, den Tausch rückgängig zu machen. Gerichtsverfahren, in die Könige und Päpste hineingezogen wurden, scheiterten. Die Wiese blieb im Besitz der Krakauer Bürger.

Bis Anfang des 20. Jahrhunderts waren die Błonia ein Überschwemmungsgebiet. Die nahe Rudawa verwandelte sie regelmäßig in eine sumpfige Fläche. Die große Flut von 1903—als man auf den Błonia mit Booten fahren konnte—zwang die Stadt zu handeln. Eine umfassende Melioration machte die Wiese nutzbar.

Der nördliche Teil wurde Ende des 19. Jahrhunderts von einer landwirtschaftlich‑industriellen Ausstellung genutzt, später entstand dort der Jordan‑Park. Weitere Bebauungspläne gab es im Zweiten Weltkrieg und in der kommunistischen Zeit, doch sie scheiterten am Widerstand der Bevölkerung.

Erst im Jahr 2000 stoppte der Woiwodschafts‑Denkmalpfleger die modernen Bauträger, indem er die Błonia als historischen Raum unter Schutz stellte. Heute ist jede Veränderung genehmigungspflichtig.

Ein Schauplatz großer Ereignisse

Im 13. Jahrhundert empfing Bischof Prandota hier eine Gesandtschaft aus Assisi mit der Bulle zur Heiligsprechung von Stanislaus von Szczepanów.

Während des Herzogtums Warschau fanden Militärparaden zu Ehren Napoleons statt, organisiert von Fürst Józef Poniatowski und General Henryk Dąbrowski.

Mitte des 19. Jahrhunderts hielt Zar Nikolaus I.—gekrönter König von Polen—eine Truppenparade ab, bevor er nach Ungarn aufbrach, um den Aufstand niederzuschlagen, an dessen Spitze General Józef Bem stand.

1910 startete auf den Błonia das erste Flugzeug Krakaus, ein Bleriot, gesteuert von Otto Hieronimus. Im selben Jahr beobachteten die Krakauer den Halleyschen Kometen.

Am 4. August 1914 brach die Erste Kadettenkompanie unter Józef Piłsudski von den Oleandry auf und wurde zum Kern der polnischen Armee.

Millionen Gläubige versammelten sich hier während der Besuche von Johannes Paul II. Auch Benedikt XVI. und Franziskus feierten Feldmessen auf den Błonia. Die Fanzone der Euro 2012 und zahlreiche Konzerte zeigen die Vielseitigkeit dieses 48‑Hektar‑Geländes.

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Fot. Zygmunt Put aus Wikipedia