Ein Spaziergang vom Wawel zum Las Wolski
Vielleicht bist du für ein paar Tage nach Krakau gereist, hast bereits die Altstadt, Kazimierz, Nowa Huta und einige Museen besucht – und suchst nun nach einer Idee für den Rest deines Aufenthalts. Oder du lebst schon seit vielen Jahren hier und möchtest die Stadt einmal anders erleben. Ich suche selbst immer wieder nach solchen Inspirationen, also lass uns gemeinsam zu einem entspannten Spaziergang aufbrechen. Wir beginnen direkt an der Weichsel, am Denkmal des Wawel-Drachen. Wie viel Zeit brauchen wir? Einen ganzen Vor- oder Nachmittag. Wir haben es nicht eilig.
Entlang der Weichselboulevards
Falls du die Legende vom Drachen nicht kennst – du findest sie in einem anderen Beitrag. Vom Eingang zur Drachenhöhle gehen wir westwärts, bleiben auf derselben Seite der Weichsel und passieren die Dębnicki-Brücke. Rechts steht das interessante, spätnachmodernistische Kaufhaus Jubilat aus den 1960er‑Jahren – ein Stück echter PRL‑Luxus.
Geradeaus, direkt am Fluss, liegt das Kloster der Norbertanerinnen, auch „Zwierzynieckie Damen“ genannt. Die Gegend auf diesem Weichselufer wird oft fälschlicherweise „Salwator“ genannt, doch historisch trägt sie den charmanten, ländlich klingenden Namen Półwsie Zwierzynieckie.
Der Salwator und der Salwator-Friedhof
Im eigentlichen Salwator lohnt sich ein Blick in die fast 800 Jahre alte Klosterkirche der Norbertanerinnen. Wenig später, etwas höher am Hang des Sikornik, sehen wir zwei außergewöhnliche Kirchen: links die runde Holzkirche der hl. Margareta, rechts die romanische Kirche des hl. Salvators.
Dahinter beginnt die elegante Villenbebauung des Salwators. Wenn du eine Pause brauchst – im Erdgeschoss einer der Villen an der Hauptstraße befindet sich eine solide Bar. Keine Werbung, keine Namen.
Weiter geht es die Jerzy‑Waszyngton‑Allee hinauf, vorbei am malerisch gelegenen Salwator-Friedhof, auf dem u. a. Andrzej Wajda, Stanisław Lem, Feliks Koneczny und rund 25 000 weitere Menschen ruhen.
Kopiec Kościuszki und Fort Kościuszko
Oberhalb des Friedhofs liegt einer der größten Bauten der ehemaligen Festung Krakau: das Fort Kościuszko aus rotem Backstein. Heute beherbergt es u. a. das Kościuszko‑Museum, den Radiosender RMF FM und ein Hotel. Außerdem gibt es ein Café mit wunderschönem Blick über die Stadt.
Noch besser – wenn auch kostenpflichtig – ist der Ausblick vom Kościuszko‑Hügel selbst, über den ich bereits in einem anderen Beitrag geschrieben habe.
Die Villa Decjusz
Etwa 20 bis 30 Minuten hinter dem Kościuszko‑Hügel erreichen wir die Villa Decjusz, ein Renaissance‑Landhaus, erbaut von Ludwig Decjusz – einem Elsässer von Geburt, einem Polen aus Überzeugung. Wie es mit Palästen oft ist, wechselte das Anwesen im Laufe der Jahrhunderte mehrfach den Besitzer, darunter die Familien Lubomirski, Czartoryski und Ledóchowski.
Die Villa ist von einem schönen Park mit Pavillon und zahlreichen Skulpturen umgeben.
Kopiec Piłsudskiego, der Zoo und das Karmeliterkloster auf den Bielany
Zurück in Richtung Las Wolski erreichen wir nach weiteren 20 Minuten den in den 1930er‑Jahren errichteten Piłsudski‑Hügel, den größten der Krakauer Hügel. Ganz in der Nähe liegen die idyllische Juliusz‑Lea‑Lichtung und der Krakauer Zoo, über den ich kürzlich geschrieben habe.
Wer noch Kraft hat, kann einen Abstecher zum südlich gelegenen Karmeliterkloster auf den Bielany machen. Es ist ein über 400 Jahre altes, strenges, geschlossenes Männerkloster, in dem die Mönche in einzelnen Häuschen leben und sich nur zu Gebeten und gelegentlichen Mahlzeiten treffen. Der Zugang ist stark eingeschränkt, besonders für Frauen, die das Kirchengebäude nur an zwölf Tagen im Jahr betreten dürfen.
Ganz in der Nähe befindet sich auch der Weinberg der Jagiellonen‑Universität.
Der Bielańsko‑Tyniecki‑Landschaftspark
Die gesamte Gegend gehört zum Bielańsko‑Tyniecki‑Landschaftspark – einer hügeligen, malerischen Landschaft, in der man wunderbar dem Stadtlärm entfliehen kann. Natur, Ruhe, Ausblicke: ein perfekter Ort zum Durchatmen.
Möchtest du diese Gegend mit mir entdecken?
Wenn du Lust hast, diese Seite der Königsstadt kennenzulernen – oder eine andere – melde dich gern. Ich zeige sie dir mit Freude. Gib mir Bescheid: https://krakow-tour.pl/de/kontakt-de/
Fot. Jerzy Opioła – Praca własna za Wikipedia
