Nowohuta-Design
Neulich haben wir über die weltweit einzigartige Stadtplanung von Nowa Huta philosophiert, heute geht es um einen anderen erstaunlichen Aspekt – das Nowohuta-Design.
Nowohuta-Design
Neulich haben wir über die weltweit einzigartige Stadtplanung von Nowa Huta philosophiert, heute geht es um einen anderen erstaunlichen Aspekt – das Nowohuta-Design.
Nowa Huta – der Teufel steckt im Detail
Ein altes Sprichwort sagt, der Teufel stecke im Detail. Der Teufel – oder vielleicht die Schönheit. Ich erspare mir jetzt theologisch-linguistische Abschweifungen darüber, dass Luzifer der Lichtbringer ist, und komme zurück zum Thema.
Nowa Huta ist nicht nur Urbanistik und schöne, gut geplante und sinnvoll angeordnete Gebäude, sondern auch die Details innen und außen. Geschmiedete Gitter, Heizkörperverkleidungen, Lampen, Möbel und andere Ausstattungselemente sind in Nowa Huta oft wahre Kunstwerke und großartige Beispiele handwerklichen Könnens.
Nowa Huta – Marian Sigmund und andere
Die Ausstattung der repräsentativsten Gebäude – etwa des Gebäudes Z (der Verwaltung des Kombinats, eines der beiden Zwillingsgebäude am Haupttor), der Läden am Plac Centralny oder des Volkstheaters – wurde einem speziellen Team anvertraut: dem Innenraumgestaltungsatelier unter der Leitung von Prof. Marian Sigmund.
Sie entwarfen Möbel, Kronleuchter, Gitter, Mosaiken, Deckenleuchten und sogar die Decken der Innenräume öffentlicher Gebäude.
Nowohuta-Design – was ist geblieben?
In den frühen 2000er-Jahren wurde am Plac Centralny die wunderschöne zweistöckige Buchhandlung Skarbnica geschlossen und in eine Apotheke umgewandelt. Die Umgestaltung bestand darin, das gesamte Innere von seinem designorientierten, handwerklichen (heute würde man sagen: „craft“) Charakter zu entkernen und die soliden Holzmöbel durch papierähnliche Platten sowie das geschmiedete Metall durch Plastik und Styropor zu ersetzen. Dieser Akt der Barbarei (einer von vielen) führte dazu, dass auch die Innenräume der Geschäfte am Plac Centralny unter Denkmalschutz gestellt wurden.
Zum Glück entstand in einem Teil der ehemaligen Skarbnica das Restaurant Skarbnica Smaku, das einen Teil der ursprünglichen Ausstattung in neuer Anordnung wiederherstellte. Das gibt Hoffnung, dass die Barbarei nicht immer das letzte Wort hat.
Nowohuta-Cepelia
Am besten erhalten blieb das Innere des Geschäfts Cepelix (früher Cepelia) für volkstümliches Kunsthandwerk am Plac Centralny, im Wohnviertel Centrum B 1. Der Großteil der hölzernen, mit Metallkunst verzierten Möbel ist erhalten, ebenso die wunderbaren Keramikkronleuchter. Besonders beeindruckend ist jedoch die Kassettendecke mit handbemalten Keramiktellern. Kein Teller gleicht dem anderen – jeder der vielen ist ein einzigartiges Kunstwerk.
Die Ladenbesitzer haben – ähnlich wie das erwähnte Restaurant Skarbnica Smaku – die Zerstörungen rückgängig gemacht, die von den hirnlosen Pächtern des benachbarten Telekommunikationspunkts angerichtet wurden, wo schöne Holzschränke und ein Kronleuchter mit Gipskarton verkleidet und die Terrazzoböden mit Teppichboden überdeckt worden waren.
Nowohuta-Design – wo noch?
Möbel, Kronleuchter, Gitter, Geländer, Türen und andere Ausstattungselemente findet man in fast jedem Gebäude des „alten“ Huta. Gitter entdecke ich bis heute – nach über acht Jahren fast täglicher Spaziergänge durch die Gegend. Kronleuchter sieht man zum Beispiel in der 24-Stunden-Apotheke im Centrum A, im Cepelix, in der Skarbnica Smaku, in der Milchbar im Centrum C oder im Verwaltungsgebäude des Kombinats. Vor allem im letzteren hat sich viel vom ursprünglichen Design erhalten. Leider ist das Gebäude nicht täglich zugänglich. Es steht leer, und Führungen finden nur ein paar Mal im Jahr statt.
Möchtest du mit mir Nowa Huta und sein Design erkunden? Gib Bescheid: kontakt.




