Führung durch Kazimierz in Krakau
Jeder hat schon vom Krakauer Altstadtzentrum gehört – viele haben es mit eigenen Augen gesehen: den Barbakan, das Florianstor, den riesigen Marktplatz und das prächtige Schloss, das über der Stadt thront. Viele kennen auch Kazimierz – nur wenige hundert Meter vom Wawel entfernt, bekannt vor allem durch das jüdische Viertel, das sich mit ihm nahezu deckt.
Sieh hier: JETZT BUCHEN FUSSBEREICH – ENTDECKE ANDERE TOUREN DURCH KRAKAU
Kazimierz und die Altstadt wurden aufgrund ihrer einzigartigen Geschichte und Architektur bereits 1978 als erste Orte Europas in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen.
Was ist Kazimierz eigentlich? Noch vor über 200 Jahren war es eine eigenständige Stadt, gegründet 1335 von König Kasimir dem Großen, dem letzten Piasten, über den man bis heute sagt: „Er fand Polen aus Holz und hinterließ es aus Stein.“ Von seinem Namen leitet sich der Name des heutigen Stadtteils ab.
Kazimierz – Jüdisches Viertel und die Geliebte des Königs
Kazimierz wird oft synonym als jüdisches Viertel bezeichnet. Doch ist das korrekt? Nicht ganz. Vor dem Zweiten Weltkrieg war nur ein kleiner Teil von Kazimierz – rund um die Skałka-Kirche, dem angeblichen Ort der Hinrichtung von Bischof Stanislaus – von Polen bewohnt. Der Rest war Heimat der großen jüdischen Gemeinde Krakaus. Vor dem Krieg machten Juden 10 % der polnischen Bevölkerung aus – in Krakau sogar über ein Viertel! Fast alle orthodoxen Juden lebten in Kazimierz.
Bis 1800 war das jüdische Kazimierz nur ein Teil der Stadt, und sogar der kleinere. Dennoch genossen Juden viele Privilegien: Sie durften eigene Steuern erheben, hatten eigene Richter usw. Besonders unter König Kasimir dem Großen erhielten sie zahlreiche Rechte. Einer Legende nach hatte seine jüdische Geliebte Estera großen Einfluss auf seine wohlwollende Haltung – ihre Erinnerung lebt in Krakau bis heute.
Kazimierz – Stadt der 90 Synagogen und Gebetshäuser
Ja, richtig gelesen: Neunzig Synagogen in einem kleinen Stadtteil von nur wenigen Quadratkilometern. So viele Synagogen findet man nirgendwo sonst in Europa!
Was ist eine Synagoge? Kurz gesagt: ein Gebetshaus – im Altpolnischen „Bożnica“. Sie ist keine Tempelstätte – der einzige jüdische Tempel wurde vor fast 2000 Jahren von den Römern zerstört.
Ein religiöser Jude ist verpflichtet, zweimal täglich mit mindestens zehn Personen in der Synagoge zu beten und aus der Heiligen Schrift zu lesen – die bis heute nicht als Buch, sondern als Pergamentrolle existiert, handgeschrieben wie in der Antike.
Die älteste Synagoge Polens, die Alte Synagoge, heute Teil des Krakauer Museums, und die größte Synagoge Polens, die Isaak-Synagoge, befinden sich beide in Kazimierz.
Laut dem „Standardwerk“ der Krakauer Stadtführer – dem Führer zu den Denkmälern Krakaus von Prof. Michał Rożek – ist die Isaak-Synagoge die zweitgrößte in Polen, nach der in Tykocin. Ich habe Tykocin letztes Jahr besucht – eine wunderschöne, gut erhaltene Synagoge. Als ich dort das Museumspersonal fragte, sagten sie: „Unsere ist die zweitgrößte – nach der Isaak-Synagoge in Kazimierz.“
Kazimierz – Ehemaliges oder aktuelles jüdisches Viertel?
Von den 68.000 Juden, die vor dem Krieg in Krakau lebten, wurden etwa 65.000 ermordet. Die meisten Überlebenden verließen Polen nach dem Krieg. Heute leben nur noch einige Hundert Juden in Krakau – und nicht unbedingt in Kazimierz.
Und doch ist Kazimierz kein ehemaliges jüdisches Viertel – denn das jüdische Leben geht weiter, ja, es blüht wieder auf. Alle sechs aktiven Synagogen der Stadt befinden sich in Kazimierz. Trotz der kleinen Gemeinde sind hier alle großen Richtungen des Judentums vertreten: ultraorthodox, orthodox und reformiert – mit eigenen Rabbinern oder Rabbinerinnen.
In Kazimierz befindet sich auch das Jüdische Gemeindezentrum Krakau, das seine Gründung großteils Prinz Charles, heute König Charles III, verdankt. Als Prinz von Wales unterstützte er den Aufbau des Zentrums. Selbst im Januar, anlässlich des Jahrestags der Befreiung von Auschwitz, besuchte der König die Institution, mit der er seit ihrer Gründung verbunden ist.
Kazimierz – Wo Krakau und die Welt sich begegnen
Während die Altstadt vor allem von Touristen besucht wird, ist Kazimierz ein Ort, an dem sich Besucher und Einheimische begegnen.
Zwar sind viele Häuser – wegen ungeklärter Eigentumsverhältnisse seit dem Krieg – in schlechtem Zustand, und anders als am Marktplatz wird hier nicht jede Minute Müll entfernt, doch gerade die bröckelnden Fassaden, die verwinkelten Gassen, die Innenhöfe mit hängenden Holzbalkonen schaffen eine Atmosphäre, die es nirgendwo sonst gibt.
Kazimierz – Drehort von Schindlers Liste
Vor allem seit Steven Spielberg viele Szenen seines Films Schindlers Liste in Kazimierz drehte, wurde das Viertel zu einem beliebten Touristenziel. Mit den internationalen Gästen kamen Geld und die Nachfrage nach guten Restaurants und Bars – und beides widerspricht sich nur theoretisch.
Kazimierz wandelte sich von einem unsicheren Viertel bei Nacht zu einem lebendigen Ort voller Energie, wo Menschen aus verschiedenen Ländern und Kulturen zusammenkommen und die einzigartige Atmosphäre genießen, die alle historischen Stürme überlebt hat.
Kazimierz – Warum mit einem Stadtführer?
Natürlich kannst du Kazimierz auf eigene Faust erkunden, den Flair spüren, die Freiheit genießen. Aber du wirst viel mehr erfahren und entdecken, wenn du es mit einem Guide besuchst. Der Autor dieser Zeilen führt hier seit fast acht Jahren – und es gab noch nie eine Reklamation.
Doch! Es gabt eine: ein Amerikaner hat mir einmal geschrieben, dass ich angeblich vom Thema zum Thema springe aber kein Leitmotiv habe. Sonst waren tausende Kunden sehr zufrieden.
Interesse geweckt? Melde dich: Über Mich.






