Die Planty – der grüne Gürtel im Herzen von Krakau

Die Planty sind einer der charakteristischsten Orte Krakaus: ein vier Kilometer langer Grüngürtel, der die gesamte Altstadt umschließt. Wo einst mittelalterliche Befestigungen standen, erstreckt sich heute einer der schönsten Stadtparks Europas.

Von Stadtmauern zum Stadtpark

Wie viele mittelalterliche Städte war Krakau von mächtigen Stadtmauern, einem Vorwall und breiten Gräben umgeben. Der nördliche Zugang wurde zusätzlich durch den Barbakan geschützt, der vor über fünf Jahrhunderten aus Angst vor einem möglichen Angriff der Osmanen errichtet wurde. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts waren die Mauern militärisch überholt, und die Instandhaltung mehrerer Kilometer Befestigungen mit 47 Türmen wurde für die Stadt, deren Glanzzeit längst vorbei war, zu teuer. Denkmalpflege und Kunstgeschichte steckten noch in den Kinderschuhen — der Abriss schien unausweichlich.

Warum die Planty heute existieren

Geplant war der vollständige Abriss der Befestigungen — auch des nördlichen Abschnitts, der heute noch erhalten ist. Nur dem Einsatz des Krakauer Senators Feliks Radwański ist es zu verdanken, dass drei Türme (Pasamoników, Ciesielska und Stolarska) sowie das Florianstor erhalten blieben. Der Legende nach argumentierte Radwański vergeblich mit dem hohen Alter der Mauern (13. Jahrhundert). Erst seine humorvolle Warnung überzeugte den Stadtrat: Ein Abriss des nördlichen Abschnitts würde starke Zugluft in der Floriańska verursachen, die die Röcke der Damen hochwehen würde. Das Argument wirkte — Barbakan, Türme und ein Teil der Mauern blieben bestehen. Zwischen 1810 und 1814 wurden die übrigen Befestigungen abgetragen, die Gräben verfüllt und eingeebnet — damals sagte man „plantiert“, wovon der Name Planty stammt. Auf der freigewordenen Fläche entstand ein Stadtpark.

Die Planty heute – wichtigste Fakten

Die Planty umfassen fast 22 Hektar und erstrecken sich vier Kilometer rund um die Altstadt — vom Fuß des Wawel-Hügels an der ul. Straszewskiego bis zur ul. św. Gertrudy auf der gegenüberliegenden Seite. Die Breite des Parks variiert je nach den ehemaligen Befestigungen: Die schmalsten Abschnitte liegen bei alten Türmen und Toren, die breitesten dort, wo einst komplexe Verteidigungsanlagen standen, etwa beim Barbakan. Der Park ist in acht Gärten unterteilt: Dworzec, Barbakan, Florianka, Palast der Kunst, Universität, Wawel, Gródek und Stradom. Rund 2.200 Bäume wachsen hier, verteilt auf 40 Arten. Der älteste ist ein mächtiger Platan an der ul. Wiślna.

Denkmäler in den Planty

Die Planty sind reich an Denkmälern, die Krakauer Geschichte und Kultur widerspiegeln. Das älteste, nahe dem Bahnhof, ist der Obelisk für Florian Staszewski aus dem Jahr 1874 — den Schöpfer der Planty, der nicht nur den Park entwarf, sondern auch einen Fonds zu seiner Pflege gründete und 3.000 Golddukaten stiftete. Auf dem Weg zum Barbakan steht das Denkmal der Arbeiterunruhen von 1936, das nach dem Ende des Kommunismus mit einem hölzernen Kreuz „christianisiert“ wurde. Weiter findet man das Denkmal für Bohdan Zaleski, das den legendären Sänger Bojan darstellt. In der Nähe, auf einem Hügel, das Denkmal für Königin Jadwiga und König Władysław Jagiełło — eine Kopie des Denkmals für Mieszko und Dobrawa aus der Kathedrale von Posen. Es folgt das Denkmal für Lilia Weneda, eine Figur aus dem Drama von Juliusz Słowacki. Beim Palast der Kunst steht das Denkmal für Artur Grottger, und beim Collegium Novum das Denkmal für den berühmtesten Studenten der Krakauer Akademie: Nikolaus Kopernikus. Ganz in der Nähe befinden sich eine Eiche und eine Gedenktafel zur Erinnerung an die Verhaftung der Krakauer Professoren im November 1939. Hinter dem Collegium Maius steht die Statue der Muttergottes der Gnade, die während der Besatzung von den Deutschen versetzt wurde. Weiter, beim Bischofspalast, die Denkmäler für Grażyna und Litawor sowie ein Brunnen-Denkmal für Fryderyk Chopin. In Richtung Wawel steht das Denkmal für Tadeusz Boy‑Żeleński, der wie ein Drittel der polnischen Intelligenz von den Deutschen ermordet wurde. Beim Priesterseminar sitzen zwei Mathematiker — Stefan Banach und Otton Nikodym — gemeinsam auf einer Bank. Das letzte Denkmal auf dieser Seite der Altstadt ist die Skulptur Eulen von Bronisław Chromy. Auf der gegenüberliegenden Seite der Planty gibt es weniger Denkmäler, doch erwähnenswert ist das Denkmal für Michał Bałucki beim Slowacki‑Theater. Überraschenderweise gibt es in den Planty kein Denkmal für Johannes Paul II.

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Fot. Mach240390 – Praca własna za Wikipedia