Krakauer Nowa Huta – was ist wirklich einzigartig an ihr?

Neulich ging es darum, woher Nowa Huta überhaupt stammt und welche Mythen ihre Anfänge begleiteten. Wenn ich die Erzählung über Nowa Huta fortsetze, möchte ich das hervorheben, was an ihr am außergewöhnlichsten ist. Ein unbestreitbarer Aspekt ist sicher die Urbanistik, also die Stadtplanung.

Nowa Huta – ein Experimentierfeld polnischer Planer

Nowa Huta wurde als von Krakau unabhängige Stadt geplant. Sie entstand in den Jahren der tiefen stalinistischen Ära, weshalb der Stil von oben vorgegeben war. Die „alte Huta“, also der Teil, der von 1949 bis in die zweite Hälfte der 1950er Jahre gebaut wurde, ist ein Beispiel für sozialrealistische Architektur. Da man – zumindest in der Idee – eine Stadt völlig von Grund auf errichtete, konnten polnische Planer interessante Konzepte der Stadtplaner des 20. Jahrhunderts umsetzen.

Nowa Huta – die Nachbarschaftseinheit

Eines der beiden städtebaulichen Konzepte war die Nachbarschaftseinheit (engl. neighbourhood unit), deren Urheber der amerikanische Stadtplaner Clarence Perry war. Die Grundannahmen umfassten eine Größe von maximal einigen Tausend Einwohnern, was eine Atmosphäre einer kleinen Stadt schaffen sollte, in der sich die Menschen kennen und nicht anonym sind.

Die Einheit sollte eine eigene Grundschule, einen Kindergarten, eine Arztpraxis und Geschäfte besitzen, die Autonomie gewährleisten. Die Hauptstraßen bilden den äußeren Rand, die inneren Wege sind schmal und fußgängerorientiert, wodurch Durchgangsverkehr ausgeschlossen wird.

Ein ideales Beispiel einer solchen Nachbarschaftseinheit sind die Siedlungen rund um den Plac Centralny, z. B. das Osiedle Centrum B, in dem der Verfasser dieser Worte seit fast einem Jahrzehnt lebt. Rundherum gibt es einen Kranz von Geschäften – von Lebensmittel- und Bäckereien über Blumenläden und Buchhandlungen bis hin zu einem Buchbinder und sogar einem Geigenbauer! In der Mitte befinden sich eine Arztpraxis und ein Kindergarten. Die äußeren, polygonal angeordneten Wohnhäuser mit mehreren Zufahrten schirmen die Siedlung vom Lärm und Trubel der Großstadt ab. Glaubt mir: Man wohnt hier großartig.

Nowa Huta – die Gartenstadt

Am Rand der „alten Huta“, in Siedlungen wie Willowe, Wandy oder Sportowe, wurde ein zweites interessantes städtebauliches Konzept umgesetzt – die Gartenstadt. Ihr Urheber war der Engländer Ebenezer Howard.

Dieses Konzept sieht eine lockere Bebauung vor, Gebäude mit Abstand zueinander, umgeben von Grünflächen: Plätzen, Parks und Grünanlagen. Auch hier handelt es sich um eine Siedlung in der Größe einer Kleinstadt, die jedoch nicht als Schlafstadt einer Metropole gedacht war, sondern innerhalb ihrer Grenzen, am Rand, Industrieanlagen besitzen sollte. Da die Gartenstadt auf landwirtschaftlichen Flächen entstehen sollte, sollten die Wohnungspreise niedrig sein. Entsprechend der Idee sollte die Entstehung eines Verbunds solcher Gartenstädte zur Gründung weiterer führen. Verbunden durch schnelle Verkehrsmittel sollten sie sich um eine größere zentrale Stadt gruppieren.

Was kommt im nächsten Beitrag? Im nächsten Beitrag werden wir über Innenraumgestaltung und Kleinarchitektur plaudern, die man bei jedem Spaziergang durch Nowa Huta entdeckt.