Krakau in zwei Tagen

Krakau in zwei Tagen – Ein Wochenendführer

Kann man Krakau in zwei Tagen besichtigen? Man kann auf jeden Fall einiges sehen und die besondere Atmosphäre dieser Stadt spüren. Was ist das Spannendste an der Stadt der Könige? Sicherlich die Altstadt mit dem Wawel und Kazimierz, aber nicht nur das. Da man die genannten Orte zu Fuß (oder wie man in Krakau sagt: „auf den Beinen“) erkunden kann, würde ich behaupten, dass man an einem Wochenende eine ganze Menge entdecken kann.
Also: Auf geht’s zu einer zweitägigen Reise!

Tag 1 – Vor den Toren der Stadt

Nehmen wir an, ihr seid am Freitagabend in der alten Hauptstadt angekommen, habt gut geschlafen, ein leckeres und nahrhaftes Frühstück genossen – und nun stehen euch der ganze Samstag und ein Großteil des Sonntags zur Verfügung. Natürlich sind die Wochentage nur symbolisch – in Krakau dauert das Wochenende die ganze Woche, zumindest von Frühling bis Herbst.
Die Tour durch die Altstadt würde ich in der Nähe des Barbakans und dem erhaltenen nördlichen Abschnitt der Stadtmauer beginnen. Vor über 200 Jahren hatte Krakau 4 km Mauer und 47 Türme sowie 7 Stadttore. Heute ist nur noch ein einziges Tor erhalten – aber was für eines: das Florianstor. Es wurde vom Barbakan, auch „Rondell“ genannt, verteidigt – erbaut vor über 500 Jahren zur Abwehr der Türken. Wo früher die Stadtgräben waren, befindet sich heute der wunderschöne Park Planty, besonders im Sommer beliebt. Er umgibt die gesamte Altstadt – vom Florianstor bis zum Wawel.
In der Nähe des Barbakans sehen wir auch das Grunwald-Denkmal, zur Enthüllung dessen Konopnicka das patriotische Lied „Rota“ schrieb, sowie das Denkmal des sitzenden Jan Matejko, direkt neben der Akademie der Bildenden Künste, deren Rektor er einst war.
Und das alles, bevor wir überhaupt richtig in Krakau angekommen sind! Wie das? Wir stehen doch nur wenige hundert Meter vom Hauptmarkt entfernt! Richtig – aber früher begann die Stadt an den Mauern, und erst nach deren Abriss wurden Vororte wie Kleparz (wo wir gerade stehen) oder das besser bekannte Kazimierz eingegliedert.

Tag 1 – Mauern und die Dame

Also schreiten wir wie einst die Könige auf dem Königsweg durch das Florianstor in die Stadt Krakau. Von innen sehen wir die erhaltenen Türme: links die Pasamoników-Bastion, rechts die Zimmermanns- und Tischlerbastion. Wir können der belebten Floriańska-Straße folgen – vorbei an Matejkos Wohnhaus und dem legendären Lokal der Jungpolnischen Bohème Jama Michalika – oder rechts abbiegen in die St. Johann Str.
Dort sehen wir einen kleinen, charmanten Übergang mit dem Wappen Pogoń Litewska. Was hat Litauen mit Krakau zu tun? Krakau war jahrhundertelang nicht nur die Hauptstadt Polens, sondern auch eng mit dem Großfürstentum Litauen verbunden.
In diesem Fall ist das Wappen das der Familie Czartoryski. Das berühmte Czartoryski-Museum beherbergt eine der bedeutendsten Sammlungen in Krakau – und das Juwel der Sammlung ist die Dame mit dem Hermelin von Leonardo da Vinci.
Wir werfen einen Blick auf den verglasten Innenhof, sehen die Kopie der Dame, besuchen vielleicht den Museumsshop für ein Souvenir – und gehen weiter die St. Johann Str. entlang zum Hauptmarkt.

Der Krakauer Hauptmarkt

Der Rynek Główny ist einer der größten Plätze Europas – 200 Meter lang auf jeder Seite. Umgeben von Dutzenden Bürgerhäusern, jedes mit seiner eigenen jahrhundertealten Geschichte. Im Zentrum steht das imposante Gebäude der Tuchhallen (Sukiennice) – einst ein Ort des Stoffhandels, heute voller Souvenirs: Schafsfelle, Volkstücher, Kristalle, Lederpantoffeln, Plüschtiere und Schmuck.
Im Obergeschoss befindet sich die älteste Abteilung des Nationalmuseums mit Gemälden des 19. Jahrhunderts, u. a. von Matejko. Unter unseren Füßen liegt das unterirdische Museum, entstanden nach umfangreichen Ausgrabungen zwischen 2005 und 2010. Archäologen fanden Tausende Artefakte – Münzen, Alltagsgegenstände, sogar Anti-Vampir-Bestattungen und den Schädel eines Verurteilten.
Wenn du möchtest, begleite ich dich gern dorthin – sag einfach Bescheid!

Die Marienkirche


Nicht zu vergessen: die Marienkirche, deren Schatz der Altar von Veit Stoß ist. Der Meister aus Nürnberg arbeitete 12 Jahre an diesem monumentalen Werk – dem größten gotischen Altar der Welt: 13 x 11 Meter, mit zwei Ansichten. Die goldene Ansicht mit geöffneten Flügeln wird zu besonderen Anlässen gezeigt – für unsere Gäste aber meist täglich kurz vor Mittag. Die geschlossene Ansicht ist einfacher, aber ebenfalls wunderschön.
Interessanter Fakt: Es existiert noch die Rechnung, die zeigt, wie viel die Stadt dem Künstler nach 12 Jahren zahlte – 1808 Floren, das entsprach dem Jahresbudget der Stadt Krakau!
Jetzt ist es Zeit für einen Kaffee – oder je nach Frühstück vielleicht schon fürs Mittagessen.

Krakau am Wochenende
Wawel

Am Ende der Planty tauchen auf dem Wawel-Hügel das Königsschloss und die Kathedrale auf – zweifellos einer der wichtigsten, wenn nicht der wichtigste Ort der polnischen Geschichte.

Seit den 1930er-Jahren beherbergt der Wawel eine der größten Kunstsammlungen des Landes, darunter Gemälde, Textilien, Porzellan, Skulpturen, Waffen und andere Kunstwerke. Die wertvollsten Stücke der Sammlung sind die Arras-Wandteppiche – prachtvolle, mehrfarbige, mit Silberfäden durchzogene Wandbehänge, die bei großen Feierlichkeiten die gesamten Schlosswände bedeckten. Heute existieren noch 136 Teppiche (von etwa 160, die vor fast fünf Jahrhunderten vom König in Auftrag gegeben wurden!). Der Name stammt von der Stadt Arras in Nordfrankreich, wo sie hergestellt wurden. Die größten messen 8 mal 5 Meter.

Allein die Arras-Wandteppiche wären Grund genug, das Schloss zu besichtigen. Doch es gibt noch viel mehr zu sehen – etwa die größte Sammlung historischer Zelte in Europa, viele davon Kriegsbeute aus der Schlacht bei Wien 1683, als König Jan III. Sobieski die Stadt vor den Türken rettete.

Zwei Tage in Krakau
Wawel-Kathedrale, Sigismund-Glocke, Königskrypta


Wenn man auf dem Wawel ist, darf ein Besuch der Königlichen Kathedrale nicht fehlen. Beim Betreten sieht man auf beiden Seiten die Sarkophage der Könige – die letzten der Piasten und die ersten der Jagiellonen. Wir steigen hinab in die Königskrypta, wo Könige von Sigismund dem Alten bis zu den Sachsen beigesetzt sind. Seit der Zeit von Tadeusz Kościuszko werden dort auch nationale Helden bestattet, darunter Prinz Józef Poniatowski und Marschall Piłsudski.

Wir steigen auf den Sigismundturm, wo wir die 13 Tonnen schwere Sigismund-Glocke bewundern (nicht „Sigismunds Glocke“!). Sie ist die größte von Hand geläutete Glocke Europas – 12 Personen werden benötigt, um sie in Bewegung zu setzen.

Nach dem Besuch der Kathedrale betreten wir den Arkadenhof – eines der schönsten Beispiele der Renaissancearchitektur in Europa. Wir bewundern die Außenfassade des Schlosses, in dem fast 600 Jahre lang die polnischen Herrscher lebten.

Das Schloss ist in mehrere Ausstellungen unterteilt. Mehr dazu findest du im verlinkten Artikel.

Da es bereits später Nachmittag ist, machen wir uns langsam auf den Weg, um etwas Leckeres zu essen, gemütlich über den Marktplatz oder am Weichselufer entlang zu schlendern. Und so endet der erste Tag.

Krakau in zwei Tagen
Tag 2 – Kazimierz – Das jüdische Viertel

Gestern haben wir einen großen Teil der Altstadt erkundet. Heute geht es nach Kazimierz, das ganz in der Nähe liegt. Kazimierz war vor über 200 Jahren eine eigenständige Stadt, gegründet im Mittelalter von König Kasimir dem Großen. Die Stadt bestand aus zwei Teilen: einem christlichen und einem jüdischen. Vor dem Zweiten Weltkrieg gab es hier 90 Synagogen! Viele davon waren kleine Gebetsräume in größeren Wohnhäusern, aber es gibt noch Dutzende, die man erkennen und besichtigen kann. Ein solcher Ort ist in Europa einmalig.
Wir beginnen mit der Alten Synagoge aus dem 15. Jahrhundert – der ältesten erhaltenen Synagoge in Polen. Heute befindet sich hier eine Abteilung des Krakauer Museums zur jüdischen Kultur. Wir besuchen die ehemalige Popper-Synagoge, sehen das Gebäude der alten Mikwe, und stehen vor der Remuh-Synagoge, benannt nach einem großen Rabbiner, dessen Grab direkt dahinter liegt – ein Pilgerort für Tausende orthodoxe Juden jährlich.
Wir sehen auch die größte Synagoge Polens – die Isaak-Synagoge, deren Gründer laut Legende einen Schatz in seiner Küche fand. Weitere Synagogen sind z. B. die Kupa-Synagoge und die Tempel-Synagoge. Wir besuchen auch das Jüdische Gemeindezentrum und erfahren, wie das moderne jüdische Leben in Krakau aussieht.
Kazimierz war Drehort für viele Szenen aus Steven Spielbergs „Schindlers Liste“. Der Film veränderte das Bild dieses zuvor vernachlässigten und als problematisch geltenden Viertels. Heute ist Kazimierz ein lebendiger Ort, ideal für ein Treffen mit Freunden – zum Mittagessen oder für ein paar Drinks.

Krakau am Wochenende – Tag 2

Podgórze und das Gebiet des Krakauer Ghettos


Wir verlassen Kazimierz und überqueren die Bernatek-Fußgängerbrücke über die Weichsel nach Podgórze, das vor über 100 Jahren ebenfalls eine eigenständige Stadt war. Links sehen wir das interessante Gebäude der Cricoteka – Museum und Dokumentationszentrum von Tadeusz Kantor. Wer sich für zeitgenössische Kunst interessiert, sollte hier unbedingt eine Stunde einplanen.
Gehen wir geradeaus, erreichen wir den Marktplatz von Podgórze mit der neugotischen Kirche St. Josef und dem Rathaus von Podgórze. Oberhalb der Kirche liegt der schöne Bednarski-Park.
Direkt hinter dem Marktplatz befand sich in den Jahren 1941–42 das Krakauer Ghetto. Die Deutschen vertrieben über 3000 Polen aus ihren Häusern und siedelten hier etwa 18.000 Juden an. Im Gegensatz zum Warschauer Ghetto, das nach dem Aufstand zerstört wurde, blieb das Krakauer Ghetto – wie auch der Rest der Stadt – weitgehend erhalten. Man kann noch heute Teile der Ghettomauer und das Denkmal auf dem Platz der Ghettohelden sehen. Nur wenige hundert Meter weiter befindet sich die Fabrik von Oskar Schindler, dem Helden des berühmten Films, der – obwohl Nazi und Deutscher – über 1000 Menschen das Leben rettete.

Krakau in zwei Tagen – Tag 2
Nowa Huta

Zeit für eine Mittagspause – wir nehmen die Straßenbahn oder das Auto und sind in 15 Minuten am Zentralplatz von Nowa Huta.

Der Plac Centralny ist das Wahrzeichen von Nowa Huta, das in den 1950er Jahren von polnischen Architekten und Stadtplanern komplett neu erbaut wurde. Die monumentalen sozialrealistischen Wohnhäuser rund um den Platz beeindrucken mit Arkaden wie in Italien, Fensterfronten wie in Paris, säulenartigen Elementen im Stil des alten Ägyptens und edlen Steinverkleidungen – ein echtes Stück großartiger Architektur.
Beim Spaziergang durch die Umgebung entdecken wir auch moderne und postmoderne Gebäude. Das Spannendste an Nowa Huta ist jedoch die Stadtplanung:
Breite Straßen, viel Grün, zahlreiche Geschäfte, Arztpraxen, Schulen und Kindergärten – all das macht Nowa Huta zu einem der lebenswertesten Stadtteile Krakaus.
Ein Besuch am Nowohuta-Stausee lohnt sich – dort kann man am Strand entspannen oder an der Salzgradieranlage tief durchatmen. Gleich neben dem Zentralplatz liegen die Nowohuta-Wiesen, wo man am Nachmittag oft Fasane hören und sehen kann. Und bei schönem Wetter zeigen sich am Horizont sogar die Berge.
Abschluss & Fazit
Zeit für eine Stärkung vor der Heimreise! Direkt am Zentralplatz gibt es das Restaurant Stylowa, ein Klassiker. Auf der anderen Seite des Platzes stehen Foodtrucks – also: Hungrig verlässt niemand Nowa Huta.

Und so vergehen zwei Tage wie im Flug. Wie ihr seht: Ein Besuch in Krakau lohnt sich, selbst nur für ein Wochenende. Am besten entdeckt ihr unsere schöne Stadt mit einem Reiseleiter – so erfahrt und seht ihr mehr in kürzerer Zeit.

Interesse geweckt? Dann meldet euch! Kontaktiere einen Stadtführer in Krakau 😊