Über Nowa Huta ein paar Worte
Den letzten Eintrag des Jahres 2025 widme ich selbstverständlich meinem Lieblingsstadtteil Krakaus – Nowa Huta. Über diesen erstaunlichen Teil der Stadt habe ich bereits im Frühjahr dieses Jahres geschrieben (LINK), doch diesmal möchte ich vom Allgemeinen ins Detail gehen. Was macht diesen Stadtteil so einzigartig, abgesehen davon, dass ich seit über acht Jahren hier lebe und ihn mit jedem Jahr mehr zu schätzen weiß?
Krakauer Nowa Huta – voller Legenden
Obwohl Nowa Huta als eigenständige Stadt geplant war, wurde sie es nie und bereits Anfang der 1950er Jahre in Krakau eingemeindet. Wie Krakau selbst wuchs auch Nowa Huta schnell in einen dichten Kranz von Legenden hinein. Die erste davon betrifft ihren Ursprung. Nach dieser Legende war Nowa Huta eine sozialistische Rache am konservativen Krakau. Tatsächlich war bei dem ersten – und selbstverständlich gefälschten – Referendum „3× ja/nein“ (bekannt aus dem Kultfilm Sami Swoi, in dem Pawlak aus Trotz gegen den regierungstreuen Kargul „3×Nein“ an die Wand schreibt) die Zahl der „Nein“-Stimmen zur Abschaffung des Senats – wozu die damals noch nichtkommunistische Opposition aufrief – eine der höchsten im ganzen Land. Genau deshalb beschlossen die Kommunisten, eine ideale sozialistische Stadt von Grund auf zu errichten – als Gegenpol zum „reaktionären“ Krakau.
Was befand sich früher auf dem Gebiet von Nowa Huta?
Das Gebiet, auf dem Nowa Huta heute liegt, war aufgrund der Nähe zur Großstadt Krakau und vor allem wegen der Weichsel, die wie der Nil seit Jahrtausenden durch ihre Überschwemmungen die Böden fruchtbar machte, ein landwirtschaftlich genutzter Raum. Hier wurden vor allem Gemüse und Obst für Krakau angebaut.
Natürlich gab es in diesem Gebiet auch wohlhabende Bauern mit großen Flächen oder Mühlenbesitzer, für die die Enteignung zugunsten des neuen Stadtbaus eine wirtschaftliche Katastrophe war. Für die Mehrheit der Kleinbauern jedoch, die in den für Galizien typischen Einraumhäusern lebten, bedeutete der Erhalt einer modernen Wohnung in den neu entstehenden Siedlungen einen deutlichen Gewinn.
Zum Gebiet des heutigen Nowa Huta gehörten u. a. die ehemaligen Dörfer Czyżyny, Łęg, Bieńczyce, Krzesławice und Mogiła. Über Letzteres wird es bald ein paar Worte geben, denn dort befindet sich ein 800 Jahre altes Zisterzienserkloster sowie einer der ältesten Holzkirchen Polens.
Warum eine Hütte (Stahlwerk)?
Was braucht man, um ein Stahlwerk in Betrieb zu nehmen? Vor allem Eisenerz – und solches gibt es in Polen überhaupt nicht. Krakau verfügt jedoch über eine gute Bahnverbindung zur Ukraine, die über entsprechende Vorkommen verfügt. Zweitens benötigt man Kohle, die im benachbarten Oberschlesien reichlich vorhanden ist. Für die Stahlproduktion werden enorme Mengen Wasser benötigt, die die Weichsel lieferte. Und das bevölkerungsreiche Krakau mit seinen zahlreichen Hochschulen – darunter die heutige Berg- und Hüttenakademie (AGH) – stellte das notwendige Personal, darunter qualifizierte Ingenieure.



