fot. Henryart, źródło Wikipedia

Marienaltar in Krakau – der größte gotische Altar der Welt

Nach dem großen Erdbeben, das Krakau und die Umgebung im 15. Jahrhundert heimsuchte, stürzte das Gewölbe der Marienkirche ein und begrub den alten Hochaltar unter seinen Trümmern. Wie auch heute litt die Kirche trotz eines mächtigen Schutzpatrons im Himmel stets unter einem Mangel an finanziellen Mitteln. Die Ratsherren der Stadt Krakau beschlossen daher, einen neuen Altar zu finanzieren und luden Veit Stoß aus Nürnberg ein, damals bereits ein bekannter Bildhauer der Spätgotik.

Er verbrachte viele Jahre in der Stadt, wurde zum heimischen „Wit Stwosz“ und gab sogar seinem Sohn den slawischen Namen Stanisław. Dies ist eines von Millionen Beispielen dafür, dass unser Land immer offen für Gäste war, die oft in Polen blieben und zu einem Teil dieser Erde wurden.

Heute ist der Altar mit seinen Maßen von 13 mal 11 Metern der größte gotische Altar der Welt.

Besichtigung des Altstadtmarkts in Krakau

Der Marienaltar in Krakau – zwei Erscheinungsformen

Der Altar besteht aus Holz: die Konstruktion aus Eiche, die Figuren aus Linde und der Hintergrund aus Lärche. Er ist ein Pentaptychon, also ein fünfflügeliger Altar, dessen Flügel je nach Bedeutung des Tages geöffnet oder geschlossen wurden. In voller Pracht zeigt er sich in der goldenen Festtagsversion, wenn alle fünf Flügel geöffnet sind. Diese wurde an Feiertagen präsentiert; heute wird sie vormittags geöffnet (sonntags am Nachmittag).

Die geschlossene, farbige Version – ebenfalls schön, aber alltäglicher – war für den täglichen Gebrauch bestimmt.

Das Thema des Altars ist biblisch: Im Zentrum befindet sich die Szene des Entschlafens Mariens, der Mutter Jesu, umgeben von den Aposteln.

Die Geschichte des gelben Schuhs

Während der Renovierung der Marienkirche Ende des 19. Jahrhunderts fand man hinter dem Altar einen Kinderschuh. Leider hat er sich nicht bis heute erhalten, und sein Verbleib ist unbekannt. Dieser Fund inspirierte Antonina Domańska zu ihrem Roman Die Geschichte des gelben Schuhs von 1913 sowie Sylwester Chęciński zu seinem Film von 1961. Darin erhält Stwosz’ Lehrling Wawrzek (gespielt vom debütierenden Marek Kondrat) als der begabteste und fleißigste Schüler vom König Kasimir dem Großen gelbe Schuhe, von denen er einen während der Altarweihe verliert, als er heldenhaft die Situation rettet.

Der Marienaltar – eine große Investition der Stadt Krakau

Das Wissen darüber, wessen Hand den Altar geschaffen hatte, ging im Laufe der Jahrhunderte verloren. Erst Bertel Thorvaldsen, ein herausragender dänischer Bildhauer des 19. Jahrhunderts, schlug bei einem Besuch in der Königsstadt Wit Stwosz als Schöpfer vor. Archivforschungen bestätigten seine Vermutung.

Interessanterweise wissen wir, wie viel die Stadt Krakau für den Altar ausgab – oder genauer gesagt, wie hoch die letzte Rate war. Kein Künstler hätte zwölf Jahre lang mit seinen Gehilfen ohne Vorschuss gearbeitet. Am Ende zahlte die Stadt Stwosz 2808 Floren, große Goldmünzen jener Zeit. Das entsprach etwa 10 Kilogramm Gold – ein Rohstoff, der damals noch wertvoller war als heute, denn erst später entdeckte Kolumbus Amerika mit seinen südamerikanischen Goldminen. Es waren jene schönen Zeiten, in denen Geld so viel wert war wie das Edelmetall, das es enthielt.

Eine genaue Umrechnung in heutige Währungen ist unmöglich, aber der Betrag entsprach ungefähr dem Jahresbudget der Stadt Krakau. Zum Vergleich: Der Haushalt der Stadt für 2026 beträgt über 10 Milliarden Złoty.

Diese Summe zeigt, wie gut es unserer Stadt im 15. Jahrhundert ging – und zugleich war es eine Investition in das Image. Ausländische Kaufleute, die Geschäfte mit Krakauer Partnern machen wollten, konnten beim Anblick des prächtigen Altars nicht an deren Zahlungsfähigkeit zweifeln.